Waldorfpädagogik

Unsere Kinder sind das Tor zur Zukunft. Sie werden als Erwachsene die Aufgabe haben, eine lebenswerte Welt zu erhalten und eine menschenwürdige Gesellschaft zu gestalten. Verantwortungsvolles, tatkräftiges Handeln erfordert waches Wahrnehmen, klares Denken, lebendiges Fühlen und eigenständiges Beurteilen.
Dieser Artikel beschreibt in Kürze die 'waldorftypische' Herangehensweise in der Pädagogik.

Künstlerische Erziehung:

Künstlerisches Gestalten vom ersten Schuljahr an, das Umgehen mit Farbe und Form, die Auseinandersetzung mit Wachs, Ton, Holz, Metall und Stein, aber auch die Übungen zu Sprache, Melodie, Klang und Rhythmus wecken in den Schülern ein sicheres Gefühl für die Qualitäten in der Welt und führen durch schöpferisches Üben zu einer Stärkung der Willenskräfte, zu innerer Beweglichkeit und zu einem gesunden Selbstvertrauen. Ausschlaggebend für den Lehrplan sind deshalb Einsichten in altersgemäße Entwicklungsschritte, die im Zusammenleben und Zusammenarbeiten mit den Kindern gewonnen werden. Wenn Kinder in ihren individuellen Besonderheiten und Begabungen ernst genommen werden, entwickeln sie die notwendigen Fähigkeiten, um ihre eigene Zukunft und die unserer Gesellschaft gestalten zu können. Die pädagogische Arbeit der Lehrer wird ergänzt durch die therapeutische Tätigkeit von Schularzt und Heileurythmist.

Klassenlehrer und Epochenunterricht:

Der Klassenlehrer begleitet seine Schüler durch die Unter- und Mittelstufe (Klasse 1 bis 8) und kann auf diese Weise eine tiefe persönliche Beziehung zu den Kindern aufbauen. Sie bildet eine wesentliche Grundlage für ein angstfreies, fruchtbares Lernklima. Der Hauptunterricht in den beiden ersten Unterrichtsstunden des Tages bietet in drei- bis vierwöchigen Fachepochen Lehrern und Schülern die Möglichkeit, die verschiedenen Unterrichtsstoffe methodisch vielfältig zu bearbeiten und zu vertiefen, wobei Zusammenhänge fächerübergreifend deutlich werden.

Geschickte Finger - bewegliche Gedanken:

Im Handarbeits-, Gartenbau- und Werkunterricht lernen die Kinder, mit den verschiedensten Materialien umzugehen. Jedes Material hat spezifische Eigenschaften und verlangt eine eigene Behandlungsweise. Die Erfahrungen, die dabei gemacht werden, helfen den Kindern, sich auf unterschiedliche Situationen einzustellen und eine angemessene Handlungsweise zu entwickeln.

Vom Anschauen zur Wissenschaft:

Die zunächst bildhaft-anschaulich angelegte Naturkunde wird in begrifflicher Form im naturwissenschaftlichen Unterricht der Oberstufe wieder aufgenommen und führt durch ein gründliches Erfassen exemplarisch ausgewählter Naturgesetzlichkeiten zu einer am Phänomen ausgebildeten Urteilskraft, die nicht nur formale Ergebnisse festhält, sondern wesentliche Fragen an Gegenstand und Methode herausfordert. So wird ein Denken gefördert, das ohne Vorurteile die Welt neu zu entdecken und zu enträtseln sucht.

Vom Webstuhl zum Computer:

Im Unterricht entwickeln wir Angebote, an welchen der Wandel der Technik als Teil der Menschheitsentwicklung beispielhaft erlebt werden kann. Beim Weben werden überschaubare technische Zusammenhänge erfahren. Unsere Schule ist aber auch mit einem modernen Computerraum ausgestattet. So lernen die Jugendlichen, die wesentlichen technischen Errungenschaften unserer Zivilisation zu durchschauen und verantwortungsvoll mit deren Möglichkeiten umzugehen.

Fremdsprachen - Tore zur Welt:

Nachahmend lernen die Kinder von der ersten Klasse an Englisch und Französisch bzw. Russisch als lebendigen Sprachklang in Liedern, Sprüchen und Spielen kennen.
Auf dieser Grundlage werden in der Mittelstufe mit Hilfe der sich allmählich entwickelnden Bewusstseinskräfte sprachliche Regeln und Strukturen entdeckt und eingeübt, so dass die Sprache in der Oberstufe eine Brücke zum Verständnis der Nachbarkulturen in West und Ost werden kann.

Verantwortung lernen - Praktika in der Oberstufe:

Verantwortung übernehmen in einer komplizierten Welt - diesem Ziel nähern sich unsere Schüler, wenn sie verschiedene gesellschaftliche Bereiche praktisch erkunden:
Im Landwirtschaftspraktikum der 9. Klasse nehmen die Schüler am Leben eines Bauernhofes teil. Sie erfahren, wie die Arbeitswelt in einem von naturgegebenen Notwendigkeiten geprägten, selbständig geführten Betrieb organisiert und bewältigt wird. Die Schüler der 10. Klasse lernen in einem einwöchigen Praktikum Grundelemente der Landvermessung kennen. In Klasse 10 betätigen sich die Jugendlichen entweder im sozialen oder im industriellen Bereich. Sie erhalten einen Einblick in die Arbeitswelt, den sie für ihre eigene Berufswahl auswerten können. Eine größere Reise in Klasse 12 dient dazu, Kunst und Kultur zu erleben und zu verstehen.

Eigenständig forschen – Projektarbeiten:

In der Jahresarbeit hat jeder Acht- und jeder Zwölftklässler die Möglichkeit, ein aus eigenem Interesse gewähltes Thema nach seinen Vorstellungen theoretisch, praktisch und künstlerisch zu erarbeiten und der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Künstlerischer Abschluss - schöpferische Prozesse im Dialog:

Durch die Akzentuierung der künstlerischen Fächer - besonders in Klasse 12 - wird in den Eurythmieaufführungen, dem Theaterspiel und einer Ausstellung im Malen und Bildhauen die Waldorfschulzeit zusammengefasst und abgeschlossen. Unterschiedliche Begabungsstufen, vielfältige Neigungen und Intentionen müssen aufeinander abgestimmt und miteinander verbunden werden. So lernen die Schüler, durch eigenständiges Arbeiten ihre Individualität schöpferisch in die Gesellschaft einzubringen. Gleichzeitig erweckt das künstlerische Tun die Ausbildung des ästhetisches Urteils. Dadurch können in der Kunstbetrachtung und Kunstgeschichte auch diejenigen abstrakten Denkprozesse begreifbar gemacht werden, die als Voraussetzung des prüfungsvorbereitenden Unterrichts in Klasse 13 notwendig sind.

Zum Religionsunterricht:

In der Waldorfschule werden Kinder aller Glaubensrichtungen aufgenommen. Das Zusammenleben verschiedener religiöser Bekenntnisse ist auf Freiheit und Toleranz aufgebaut. Zur Zeit werden angeboten der Unterricht der Christengemeinschaft und alternativ dazu ein freier christlicher  Unterricht, der von den Lehrern erteilt wird.

Zeugnisse - beschreiben statt benoten:

Anstelle des entmutigenden Sitzenbleibens verfolgen wir das Ziel der ermutigenden individuellen Förderung, die kritische Selbsteinschätzung herausfordert und Selbstvertrauen schafft. Statt Noten zu erteilen, beschreiben die Lehrer einmal im Jahr die individuelle Leistungs-, Sozial- und Persönlichkeitsentwicklung in ausführlichen Textzeugnissen. Jedem Oberstufenschüler stehen Lehrer zur Seite, die ihn individuell betreuen und ihn bei der Planung und Gestaltung seiner Schulzeit beraten. Entsprechend der schulischen Leistungen und des individuellen Berufswunsches erfolgt nach Klasse 10 eine Differenzierung des bisherigen Klassenverbandes in neue Lerngruppen.

Downloads

Weitere Informationen zu den wesentlichen Inhalten der Waldorfpädagogik finden Sie hier (PDF)

Antworten auf 21 häufig gestellte Fragen zur Waldorfpädagogik finden Sie im Flyer „21 Fragen“ des Bundes der Deutschen Waldorfschulen (PDF)

Das Leitbild der Freien Waldorfschulen in Deutschland können Sie hier lesen (PDF)