Werken

Flinke Finger – flinke Gedanken

Weshalb lernen Kinder an unserer Waldorfschule das Stricken, Sticken, Häkeln und Nähen – ist das nicht überholt?

Die Notwendigkeit handwerklicher Betätigungen ist heute genauso gegeben wie früher. Mit ihnen werden sowohl Feinmotorik als auch Gestaltungskräfte sowie Konzentration gefördert, wodurch Denk- und Lernkräfte angeregt werden. Handwerkliche Fähigkeiten und Fertigkeiten gestalten das Gehirn, was Selbstvertrauen aufbaut und langfristigen Erfolg fördert.

Durch das Kennenlernen unterschiedlicher Textiltechniken erfahren die Schülerinnen und Schüler verschiedene Ausprägungen der Kulturgeschichte der Menschheit. Das Nähen an der elektrischen Nähmaschine in der achten Klasse macht den Übergang zur industrialisierten Epoche deutlich. Es verknüpft die Vergangenheit mit der Gegenwart, indem der Fokus u. a. auf Themen wie Fast/Slow Fashion und Upcycling gelegt wird.

Studien belegen, dass Konzentration und Ausdauer unserer Kinder und Jugendlichen mit fortschreitender Digitalisierung in bedenklichem Ausmaß abnehmen.

Unserer Schule ist es ein Anliegen, diesem Phänomen entgegenzuwirken! Durch unsere Tätigkeiten im Handarbeitsunterricht unterstützen und fördern wir Geduld, Durchhaltevermögen und Geschicklichkeit sowie eine bessere Konzentration im Allgemeinen.

Ein zentraler Punkt – schon von Rudolf Steiner betont und heute durch neue Hirnforschungen gestützt – ist, dass das Erlernen komplexer feinmotorischer Fertigkeiten (etwa beim Stricken) die Entwicklung des Denkvermögens fördert. Besonders Aufgaben, die beide Hände koordinieren, stärken die verbindenden Netzwerke im Gehirn und unterstützen dadurch Denk- und Kombinationsfähigkeiten.

Der Handarbeitsunterricht bietet als Ausgleich zu den kognitiv geprägten Fächern eine praktische Tätigkeit im Schulalltag und wird an unserer Schule von Klasse 1 bis Klasse 11 unterrichtet.

Elke Amann und Bettina Ehrhard

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